Ein Verkäufer entwickelt den perfekten Pitch erst durch unzählige Verfeinerungen und nach vielen Absagen - nicht durch das Studium von Verkaufsratgebern. Ein Unternehmer weiss erst, ob ein Produkt am Markt ankommt, wenn er es herstellt und auf den Markt anbietet - nicht durch Marktforschung. Eltern werden im täglichen Umgang mit den eigenen Kindern zu kompetenten Ratgebern - nicht durch die Lektüre von Elternratgebern. Und Musiker werden durch Musizieren zu Meistern - nicht durch das Nachdenken über die Möglichkeiten ihres Instrumentes.

Warum ist das so?

Weil die Welt für uns opak ist - undurchsichtig, trüb wie Milchglas. Niemand leuchtet die Realität ganz aus; selbst der gebildete Mensch sieht immer nur ein paar Meter weit in eine bestimmte Richtung. Will man diese Erkenntnis grenzüberschreiten, muss man vorwärts gehen, nicht stehen bleiben - tun, nicht überlegen. Es ist angenehmer, nachzudenken als die Initiative zu ergreifen. Das Risiko beim Nachdenken ist gleich null, beim Tun meist grösser als null.

Nichts gegen das Nachdenken!

Schon nach kurzer Zeit des Überlegens erzielt man enorme Erkenntnisfortschritte. Doch mit der Zeit werden diese Fortschritte kleiner und kleiner, und es ist erstaunlich, wie schnell man den Punkt des maximalen Grübelns erreicht. Zum Beispiel bei Investitionsentscheidungen: liegen alle eruierbaren Fakten auf dem Tisch, braucht man höchstens noch drei Tage Nachdenkzeit. Bei Personalentscheidungen vielleicht einen Tag. Geht es um eine Karrierewechsel, höchstens eine Woche. Irgendwann hilft Denken nicht mehr weiter - man muss agieren und zu neuen Erkenntnissen zu kommen.

Verglichen mit der Taschenlampe des Nachdenkens ist das Tun ein wahrer Scheinwerfer. Sein Strahl reicht viel weiter in die undurchschaubare Welt hinein. Ist man einmal bis zum neuen interessanten vorgedrungen, kann man jederzeit das Taschenlämpchen des Grübelns anknipsen. (Aus „Die Kunst des guten Lebens“ von Rolf Dobelli, gekürzt)

Was lernen wir daraus?

Mehr Fragen als Antworten:
Können wir es in unserer schnelllebigen Zeit überhaupt leisten, „zu lange zu grübeln“?
„Done is better than perfect!“ Was heisst das für unser Arbeitsleben, unser Business?
Qualitätsverlust oder Überlebensstrategie?

Und überhaupt: Was hat das alles mit dir zu tun?

Alles Gute! :-)