Der allzeit perfekte Ausgleich, die virtuose Balance zwischen Arbeit und Leben gelingt nicht. Kann sie auch nicht: Sie ist ein Mythos – an dem allerdings zahlreiche Trainer und Quacksalber kräftig verdienen. Natürlich lassen sich Prioritäten setzen, Pläne machen, Kalender und Listen führen. Was Organisationsexperten Selbstmanagement nennen, lindert vielleicht das Chaos auf dem Schreibtisch, aber bist du deswegen schon in Balance? Wohl kaum.

Aber allein die Begrifflichkeit, Work auf der einen Seite und Life auf der anderen Seite mutet ein bisschen seltsam an. Da tun wir doch so, als ob ein Drittel unseres Tages, die Arbeitszeit, kein Leben – also kein Life – sei. Und hier setzt doch der entscheidende Hebel an: Wenn du deine Profession gefunden hast, die du gerne ausfüllst, wenn du deine Vision, deine Lebensmission auch lebst, dann redest du nicht mehr von Arbeit vs. Leben. Dann ist Arbeit ein Teil deines erfüllten Lebens.

Das setzt aber voraus, dass du ein Gestalter deines Lebens bist und kein Unterlasser oder Jammerer, ein „9 to 5“ Mitarbeiter, der nicht bei sich selbst anfängt, sondern nur die anderen und die Umstände für alles verantwortlich macht. Die daraus folgenden Denkspaghetti überlasse ich dir. Ich erzähle lieber eine kleine kürzlich erlebte Anekdote.

 

„Frische Luft in den Bergen Idylle“

Ja, die gibt es. Aber irgendwie anders. Letzte Woche sitze ich in einem Berggasthaus in den Vorarlberger Alpen. Mir gegenüber ein UNESCO Mitarbeiter. Im Urlaub. Gut gelaunt. Sehr relaxt. Und nimmt sich an diesem sonnigen Tag eine halbe Stunde Zeit um wichtige Mails zu beantworten. Wie bitte? Im Urlaub?

Seine Argumentation ist auch schlüssig: Es lasse erst gar nicht einen Stress aufkommen wegen nicht erledigter (z. B. nicht delegierter) Dinge etc. Für ihn sei die strikte Trennung von Arbeit und Freizeit sowieso ein Paradigma aus vergangenen Zeiten. Unnatürlich und in der heutigen Zeit unbrauchbar. Zumindest für Wissensarbeiter.

Die darauf folgende hochalpine Diskussion artete schon fast in einen Glaubenskrieg aus.

Was aber steckt hinter dieser Haltung:

 

Von der Balance zur Integration

Was die Work-Life-Integration von der sogenannten Work-Life-Balance unterscheidet, wird am deutlichsten, wenn man sich die beiden Begriffe „Balance“ und „Integration“ einmal genauer anschaut.

Balance bedeutet, einen Ausgleich zu finden und beide Bereiche – also Work und Life – getrennt voneinander zu betrachten. Das Prinzip kann sehr gut verdeutlicht werden, indem man sich eine altmodische Waage mit zwei Gewichten vorstellt. Im besten Fall ergeben die Wichtigkeit von Arbeit und Privatleben ein Gleichgewicht.

Integration wiederum geht nicht von zwei getrennten Bereichen aus, sondern sieht vor, beide miteinander zu verbinden beziehungsweise zu vereinbaren. Es geht nicht darum, Arbeit auf der einen und das private Leben auf der anderen Seite zu haben, sondern eine integrative Verbindung herzustellen. Diese Ansicht entspricht der Philosophie von immer mehr Menschen.

Warum also für eine strikte Trennung von Arbeit und Freizeit kämpfen, wenn die Realität schon längst weiter ist? Deutlich entspannter geht es, wenn Du daran arbeitest eine sinnvolle Integration zu erreichen.

Und den Chefs sei ins Stammbuch bzw. iPad geschrieben: Lieber Chef, du erwartest doch von deinen Mitarbeitern, dass sie flexibel sind, auch mal in ihrer Freizeit sich um das Unternehmen kümmern etc. Dann akzeptiere aber bitte auch, wenn ein Mitarbeiter während der Arbeit mal einen Blick in Facebook oder Instagram macht. Unser Gehirn trennt nicht zwischen Freizeit und Arbeit. Und manch einer nimmt im Kopf Arbeit mit nach Hause. Und vice versa läuft es eben genauso.

Fazit: Arbeit ist Leben, und Leben ist Arbeit

Arbeiten gehört zu unserem Leben. Sie ist ein Teil von uns, ohne den wir uns nutzlos und gegebenenfalls auch wertlos fühlen. Sie erfüllt uns mit Sinn - und das ist genau das, wonach auch die jüngeren Generationen in ihrem Tätigkeitsfeld suchen.

Es geht also nicht um Balance, um Gottes Willen nein, es geht darum, dass du dein Leben in echter Übereinstimmung mit deinen Werten lebst. Deinen Rhythmus, dein Tempo findest. Und dann den Jazz deines Lebens spielst.

„It Don’t Mean a Thing, If It Ain’t Got That Swing“ – Duke Ellington

 

Dein persönlicher 2 Minuten Test:

Du brauchst zwei Buntstifte, einen für heute, einen für deine Situation in 5 Jahren. Und dann zeichne drauf los.

Wo stehst Du heute? Wo wollstSie in 5 Jahren stehen? Was entspricht am besten Deiner heutigen Lebenseinstellung? Free Jazz, Swing, Bepop, (Hard)Rock, Folkore, Blasmusik.. Was sagt deine Frau/dein Mann, deine Familie dazu?

 

Mein Leben-Mein Kraftfeld: